Die Digitalisierung der Baubranche ist seit einigen Jahren im Fokus. Wie geht man als Investor und Denker vor, um in einer Branche, die durch Menschenkraft stark geprägt ist, neue & technologische Lösungen zu finden und zu bewerten?
In der aktuellen Markttransformation beobachten wir einen steigenden Fokussierung der Branche auf die Marktbedürfnisse ihrer Kund:innen. Dabei wird es auch immer wichtiger das Effizienzpotential zu heben, welches technologische Möglichkeiten bieten. Für uns war es seit Gründung unseres Venture Capital Unternehmens wichtig, sehr eng mit der Branche zusammen zu arbeiten und in Kollaboration mit unseren Partnern, wie z.B. auch der Pflugfelder Unternehmensgruppe, einen tiefen Blick auf die technologischen Lösungen werfen zu können und zu bewerten, ob das Produkt in der Branche wirkliches Potential hat. Neben dem Effekt, dass wir damit eine bessere Investmentprüfung machen können, sehen wir auch positive Effekte auf den Innovationsprozess unserer Partner.
Welche Möglichkeiten und Chancen bieten Venture Capitals für die Entwicklung neuer Technologie in der Bau- und Immobilienbranche?
Die Bau- und Immobilienbranche hat unheimlich kluge Köpfe, die jeden Tag auf der Baustelle und auch auf dem Papier beweisen, wie man mit Herausforderungen umgeht. Aufgrund der fragmentierten Struktur gibt es aber nur wenige echte Forschungs- & Entwicklungsaktivität wie dies z.B. in der Automobilindustrie der Fall ist. Hier erfüllen branchenspezifische Venture Capital Fonds eine wesentliche Rolle, um Risikokapital für Innovation zur Verfügung zu stellen. Aufgrund der Renditeerwartung und der Fokussierung der Begleitung des Start-ups auf einen abgegrenzten Zeitraum von üblicherweise 10 Jahren, muss diese Forschung- & Entwicklungsarbeit aber sehr zielgerichtet & effizient erfolgen. Dabei begleitet unser Venture Capital Fonds die Gründer mit unserem Partnernetzwerk und mit erfahrenen Industrieexperten.
BitStone Capital hat einen seiner Schwerpunkte auf den Bereich Gebäudeenergieoptimierung gesetzt. Gebäude sind ein Teil des Energiemarkts, dessen Konsequenz in der Nachhaltigkeitsbewertung spürbar ist. Wie nah sind wir an der Machbarkeit klimaneutraler Immobilien?
Durch Technologie ist es bereits heute möglich Minimalinvasiv und mit relativ geringen Investitionen Energieeinsparungen von 30-40% zu erzielen. Damit sind Energiemanagementsysteme eine echte Alternative zur Investition in Dämmung oder Heiztechnik geworden. Um ein klimaneutrales Gebäude zu realisieren, sind aber definitiv all diese Maßnahmen und auch eine Produktion sowie Speicherung von Energie erforderlich. Gebäude erhalten eine neue spannende Rolle in der Anbindung an den Energiemarkt, wobei sie nicht mehr nur noch Verbraucher, sondern auch Produzent sind und dies hochinteressante Geschäftsmodelle ermöglicht.
Der Neubau ist unter anderem aufgrund der steigenden Anforderungen im Bereich Energie und Kostenentwicklung ins Stocken geraten. Aus diesem Grund rücken Bestandsimmobilien in den Fokus. Die aktuelle Sanierungsquote liegt allerdings bei unter 1 %., soll aber künftig steigen. Nun warten mit dem herrschenden Fachkräftemangel und Engpässen in den Lieferketten operative Herausforderungen. Wie soll das kurz- bis mittelfristig realisierbar sein?
Wenn wir die klimaneutralitätsziele erreichen wollen, müssen rund 400.000 Handwerker zusätzlich gefunden werden, die diese Transformation realisieren. In der Realität werden aber in der kommenden Dekade 130.000 Fachkräfte in Rente gehen und die Ausbildungsquoten stagnieren. Wir haben also gar keine Alternative zur Nutzung effizienzsteigender Technologien wie z.B. Robotik um diese Transformation zu gestalten. Technologie alleine ist nicht die Lösung wird aber einen großen Beitrag leisten können.
Wenn wir von Denken und Entwickeln sprechen, inkludieren wir den Faktor Mensch für das Voranbringen neuer Automatisierung. Also ist das menschliche Gehirn doch nicht wegdenkbar?
Definitiv werden wir sehr kluge Köpfe in unserer Branche benötigen, die dazu beitragen Erkenntnisse aus Daten abzuleiten und in neue Vorgehensweisen zu übersetzen. Hier ist eine Menge Kreativität gefragt und eine gesunde Einstellung der handelnden Akteure, den Status-quo in Frage zu stellen und damit dann echte Mehrwerte zu stiften. Der Große Gewinn liegt dabei im Zusammenspiel von Mensch und KI und aus diesem Zusammenspiel maximale Ergebnisse zu erzielen wird die kreative Aufgabe der Zukunft.