Liebe Frau Frau Mohr, Sie stehen nicht nur für Ihre aktuelle Initiative zur Förderung der #HAUSfrauen, sondern gelten auch als eine prägende und visionäre Persönlichkeit, wenn es um die Themen Frauen in Führung und in der Finanzbranche geht. Könnten Sie uns erzählen, welche entscheidenden Erfahrungen Sie auf Ihrem Weg gesammelt haben?
Ich habe viele wertvolle Erfahrungen gesammelt – in Deutschland, im Ausland, während meiner Ausbildung im Investmentbanking bei Goldman Sachs, während meines Mathematikstudiums und seit einigen Jahren im Vorstand bei der Interhyp Gruppe. Oft werde ich gefragt: Ist es schwierig, als Frau in der zumindest in Führungspositionen immer noch männerdominierten Finanzwelt zu bestehen? Ich habe nie wahrgenommen, dass ich etwas nicht bekomme oder mich nicht durchsetzen kann, weil ich eine Frau bin. Allerdings beobachte ich schon, dass Frauen oft deutlich bescheidener als Männer agieren, wenn es darum geht, ob sie die perfekte Kandidatin für einen Job sind. Ein wichtiger Tipp ist es, sich ruhig hinzustellen und zu sagen: Hey, ich bin kompetent und ich kann das!
Seit wann beobachten Sie eine wachsende Sensibilisierung in der Gesellschaft für das Phänomen des Gender Pension Gap, und wie hat sich dies auf Ihren Werdegang ausgewirkt?
Gender Pay Gap, Gender Care Gap, Gender Lifetime Earnings Gap, Gender Pension Gap – es gibt so viele Gaps, wohin man blickt. Und da hört das Problem noch gar nicht auf. Frauen wählen oft schlechter bezahlte Berufe als Männer. Nach wie vor gibt es verfestigte Rollenbilder, so dass viele Mädchen nicht Informatikerin, Ingenieurin oder Managerin werden – also gut bezahlte, männlich belegte Berufe. Frauen fassen eher in betreuenden und pflegenden Berufen Fuß. Frauen wenden meist mehr Zeit für Kindererziehung oder die Pflege der Angehörigen auf, arbeiten dadurch oft in Teilzeit und nehmen folglich häufiger Gehaltseinbußen in Kauf als Männer. Das führt dazu, dass Frauen am Ende geringere Beiträge in die gesetzliche Rentenkasse einzahlen. Natürlich ist das Thema „Familie und Karriere“ sehr wichtig. Und ja, das ist heute noch sehr stark ein Frauenthema in Deutschland. Darauf müssen Unternehmen heute reagieren und auch über Teilzeitmodelle in der Führung nachdenken.
Können Sie uns einen Einblick in aktuelle Erkenntnisse geben, welche die Entwicklung des Gender Pension Gap skizzieren?
Im engen Austausch mit unseren Kundinnen beobachten wir, dass es bei Frauen generell eine weit verbreitete Scheu gibt, sich mit Fragen rund um Kapitalanlagen zu beschäftigen. In unserer Gesellschaft ist es bis heute nicht selbstverständlich, dass sich Frauen um Kapitalanlagen kümmern. Es fehlen die Vorbilder. Besonders der Immobilienmarkt schreckt viele Frauen ab, obwohl eine Immobilie eine wichtige Säule der Altersvorsorge sein kann. Im Jahr 2023 haben bei Interhyp gerade einmal 11 % Frauen eine Immobilienfinanzierung abgeschlossen. Demgegenüber stehen 19 % alleinfinanzierende Männer. Mit 70 % gehen die meisten Finanzierungen auf das Konto von Paaren.
Was sollten wir Frauen speziell bei der Planung ihrer Rente berücksichtigen, um potenziellen Herausforderungen zu begegnen?
Ich möchte Frauen motivieren, den Schritt zur eigenen Immobilie zu wagen. Eine Immobilie ist und bleibt ein zentraler Bestandteil der Altersvorsorge. Warum? Immobilien sind inflationsgeschützte Anlagen. Nutzt man die Immobilie selbst, ermöglicht sie mietfreies Wohnen. Vermietet man die Immobilie, entsteht eine zusätzliche Einnahmequelle – die Mieterträge. Beides schafft finanzielle Unabhängigkeit. Mietfrei Wohnen im Alter ist ein gehöriges Stück Sicherheit.
Welche gängigen Denkfehler begegnen Ihnen häufig bei uns Frauen in Bezug auf die Altersvorsorge? Gibt es Aspekte, die oft übersehen oder unterschätzt werden?
Frauen befassen sich noch immer viel zu wenig mit Finanzthemen oder unterschätzen sich selbst und ihre Möglichkeiten. Es gibt viele Studien zum Thema Frauen und Geldanlage und sehr häufig haben diese ergeben, dass Frauen bei der Geldanlage sehr erfolgreich sind, zum Teil sogar erfolgreicher als Männer. Eine Studie der ING aus dem Jahr 2021 hat gezeigt: Weibliche Privatanleger waren mit durchschnittlich 22,5 % Rendite erfolgreicher als männliche Anleger mit 21 %. Und nach wie vor ist beim Immobilienkauf leider zu oft das Bauchgefühl entscheidend. Das hat auch unsere jüngste Leistbarkeitsstudie noch einmal bestätigt: Nur 37 % der Befragten haben sich einen möglichen Immobilienkauf einmal im Detail durchgerechnet. Dabei ist oft mehr möglich, als viele Menschen denken.
Auf welchen Säulen sollte eine umfassende und fundierte Altersvorsorge basieren? Wie wichtig sind Diversifikation und Flexibilität in diesem Kontext?
Eine strategische Altersvorsorge ruht auf drei Säulen: gesetzliche Rente, betriebliche Rente und privaten Komponenten. Die eigene Immobilie ist ein großer Beitrag zur privaten Altersvorsorge. Entweder man wohnt mietfrei, wenn man in Rente ist. Oder aber man kann sich mit einer vermieteten Immobilie die Rente beträchtlich aufbessern. Da sich Lebensumstände auch schnell ändern können, sollte eine maßgeschneiderte Immobilienfinanzierung auch Luft für Veränderung lassen. Da der Zinssatz in der Regel festgesetzt ist, lässt sich Flexibilität vor allem über die Tilgung erreichen. Finanzierungsberaterinnen und -berater informieren dabei individuell.
Abschließend, was hat Sie dazu motiviert die Initiative #HAUSfrauen ins Leben zu rufen? Welche ganz persönliche Botschaft verbinden Sie damit?
Ich wünsche mir mehr HAUSfrauen und möchte an dieser Stelle jede Frau ermutigen, das Projekt Immobilienkauf durchzurechnen. Selbst wenn herauskommt, dass es aktuell wirklich noch nicht geht, kenne ich die verschiedenen Optionen und meine finanziellen Möglichkeiten im Detail. Meine Botschaft: Raus aus der Komfortzone – und ran an die eigenen Finanzen! Raus aus Unwissenheit, Resignation, Desinteresse und einfach loslegen, sich informieren. Über Geld sprechen: in der Beziehung, mit den Freundinnen, mit Finanzierungsberaterinnen – und zwar so oft wie möglich. Liebe Frauen, traut Euch, es lohnt sich!
Herzlichen Dank für die umfassenden Einblicke & den Impuls einfach loszulegen, Mirjam Mohr. Uns ist es ein großes Anliegen die Förderung von Eigeninitiative und finanzieller Bildung zu unterstützen. Insbesondere für uns Frauen ist es essenziell, die Hürden beim Einstieg in den Immobilienmarkt zu überwinden. Unser Ziel ist es, dies im Rahmen eines vertrauensvollen Dialogs zu unterstützen und maßgeschneiderte Lösungen aufzuzeigen. Ein Vorbild wie Mirjam Mohr ist ein großartiges Beispiel wie wirkungsvolles Engagement aussehen kann: Sie motiviert Frauen, sich aktiv mit der Planung ihrer finanziellen Zukunft auseinanderzusetzen, um finanzielle Unabhängigkeit und Sicherheit zu erlangen.
Jetzt ran an die Finanzen – wie Frauen die eigene Zukunft sicher & sorglos gestalten können