Wie viel Mensch braucht das Maklertum?

„KI ist so grundlegend wie Elektrizität. Sie wird alles verändern, wie wir leben, arbeiten und spielen.” - Jeff Bezos.

Mit dem Zitat von Unternehmer und Investor Jeff Bezos wird klar, wie einschneidend die Entwicklung von KI ist und wie sehr wir aktuell noch am Anfang stehen. Grundlage dafür sind vier Ströme: Big Data, Automatisierung, Virtual Reality und Künstliche Intelligenz. Diese Tools können viele Teile des Berufsbild eines Maklers digital abbilden. Wie sich die Rolle „Mensch“ im Zusammenspiel mit KI verändern wird, ist noch nicht absehbar. Das erfordert, uns auch mit dem Menschsein zu beschäftigen. 

Yannick: „Heute sind technologisierte Werkzeuge wie digitale Exposés, virtuelle Besichtigungen, Customer Relationship Management-Systeme, Chatbots und automatisierte Bewertungsprogramme fest im Arbeitsalltag von uns Maklern verankert. Vor allem das Thema der Big-Data-Analyse und das damit verbundene Datenfundament bringt Wertschöpfung. Denn mehr Daten verknüpfen mehr Wissen. KI eröffnet Möglichkeiten, diese Daten gewinnbringend zu analysieren. Aber auch Immobilienbewertungen sowie Marktanalysen können mit wachsender Präzision durchgeführt werden. So wie unser digitales Bewertungstools. Aktuell erleben wir in einer Art Orientierungsphase, in der sich die Technologien jeden Tag weiterentwickeln.”

Ein wichtiges Thema für Makler: Immobilienfinanzierungen. Für viele Käufer ist das ein komplexer Schritt auf dem Weg zur Immobilie. Moderne Finanzierungsplattformen bieten von Finanzierungsangeboten bis zur automatische Kreditentscheidungen eine ganzheitliche Abwicklung und weisen einen hohen Grad an Automatisierung auf. Theoretisch verlieren Makler dadurch eine wichtige Kompetenz.

Yannick: „Wir sehen beim Einsatz von KI auf jeden Fall Vorteile in puncto Zeitersparnis. Um diese Daten dann auch zu bewerten und die Bonität richtig einzuschätzen, kommt der Mensch ins Spiel. Der große Faktor, der den Menschen aktuell unersetzbar macht, ist Vertrauen. Das Thema Geld ist gesellschaftlich noch immer ein sensibles Thema. Darüber zu sprechen, setzt Vertrauen voraus. Empathie entsteht nur in der Interaktion zweier Menschen. In einer Immobilienentscheidung, die so lebenseinschneidend und finanziell bindend ist, muss es eine gute Vertrauensbasis geben, auf die sich unsere Kunden und Kundinnen verlassen können.”

Individualität als Gegner der Technik

Idyllisches Einfamilienhaus am Ossweiler Stadtrand oder Single-Apartment mitten in Ludwigsburg - die Vorstellung an das eigene Zuhause ist individuell – und damit die Immobilie. Der Immobilienmarkt Ludwigsburg bildet mit seiner attraktiven Anbindung, hohen Lebensqualität und facettenreichen Gebäude-Typologie ein breites Immobilienspektrum ab. Die Kundenindividualität und Marktbesonderheiten setzen Fingerspitzengefühl und Erfahrung voraus. Käufer und Verkäufer erwarten mehr als nur die fehlerlose, formale Abwicklung eines Geschäfts. Es geht um Lebensentscheidungen – oft mit hohen emotionalen und finanziellen Einsätzen. Die Fähigkeit, persönliche Bedürfnisse zu verstehen, wird zur entscheidenden Kompetenz. Maklerinnen und Makler sind nicht nur Bearbeiter, sondern Unterstützer, Projektmanagerin, Konfliktlöser, Zuhörerin und Ratgeber, der die regionalen Gegebenheiten kennt. 

Yannick: „Unsere Kundinnen und Kunden suchen nicht nur eine Immobilie, sondern ein Zuhause. Dabei ist die eigene Geschichte so prägend, dass Standardisierungsprozesse an vielen Stellen keine ausreichende Lösung darstellen. Es gibt viele Momente, in denen Bauchgefühl oder Vertrauen letztlich die Entscheidungstreiber sind. Viele Kunden kommen mit Ideen aber nicht mit klaren Entscheidungen. Auch jeder Markt ist anders und ich als Regionalleiter kenne unseren Ludwigsburger Immobilienmarkt in und auswendig. Gemeinsam finden wir dann den passenden Weg.“

Erweitern statt ersetzen

KI soll den Menschen nicht ersetzen, sondern stärken, seine Kompetenzen erweitern und ermöglichen, noch besser auf die Kundenbedürfnisse einzugehen. Im Mittelpunkt steht der Mensch – mit all seinen einzigartigen Fähigkeiten, wie Empathie, Entscheidungsfähigkeit und Anpassungsfähigkeit.

Yannick: „Die Zusammenarbeit zwischen Endkunden und Maschine ist effizient, solange klare Prozesse und intuitive Schnittstellen vorhanden sind. Fehler können dann auftreten, wenn komplexe Sachverhalte auftreten oder die Bedürfnisse von unseren Kunden noch nicht greifbar sind. KI stärkt in repetitive Aufgaben wie Exposé-Erstellung oder Lead-Qualifizierung. Das macht uns effizienter und weniger fehleranfällig - ein klarer Qualitätsgewinn. So bleibt mehr Zeit für persönliche Kundenbetreuung und strategische Beratung – genau da, wo ich meinen Mehrwert gegenüber jeder Maschine sehe. Auch die erhobenen Daten unseres Immobilienmarktberichts, die wir gemeinsam mit dem iib Institut Hettenbach aufgearbeitet haben, setzen wir als Mensch in einem kundenspezifisch wertvollen Kontext."

Der Mensch trifft heute immer noch die Entscheidung, wie Technologie sinnvoll einsetzt werden. Zu viel Fake News fördern Unsicherheiten. Durch eine reflektierte und verantwortungsbewusste Auseinandersetzung mit technologischen Entwicklungen können Chancen genutzt und Risiken minimiert werden. 

Yannick: „Unsere Zukunft ist nicht, ständig neue physische Produkte zu erschaffen, sondern problemlösende Dienstleistungen zu kreieren. Technologien liefern Daten und Trends, die unsere Arbeit immer besser ausführen. Das müssen wir für uns nutzen. Denn ich sehe die maßgeschneiderte Dienstleistung gerade in unserem Berufsbild als Produkt der Zukunft. Und wir Menschen werden ein Teil davon bleiben. Denn maschinell erhobene Daten werden dann zum Vorteil, wenn wir Menschen unsere emotionale bzw. soziale Intelligenz einsetzen und sie in den Kontext der individuellen Bedürfnisse stellen. Das Berufsbild wird sich weiter verschieben aber zu unserem Vorteil."


Bild: Yannick Altendorfer Pflugfelder-Regionalleiter